140 Liter ‚Baddy-Pippi" einem Dorf gespendet
- betaullings
- vor 17 Stunden
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Jetzt hat es uns erwischt! Nach geschätzten 60‘000km in Afrika (und rund 89’000km gesamthaft) hatten wir nun unseren ersten Unfall….
Wichtig und vorweggenommen: niemand wurde verletzt!
Auf meiner jetzigen und ersten Reise in Sambia waren wir gestern nach mehreren Tagen in der Stadt ‚Chipata‘ angekommen, ca. 600km östlich von der Hauptstadt Lusaka. Wir hatten eine ruhige Nacht auf einer Campsite verbracht und haben am nächsten Morgen eingekauft und getankt. Ich war also ‚maximal beladen‘ und fast 3800kg schwer, als wir Richtung Norden zum South Luangwa NP aufbrachen. Die Strasse war «mehr Loch als Piste» (Schlaglöcher überall, so dass man rechts und links ausweichen muss) und nach ca. 30km in einem kleinen Örtchen fuhren wir mit maximal 30km/h, als ich plötzlich von hinten von einem massiv zu schnell fahrenden (für diese Strassenverhältnisse) Hilux angefahren wurde! Durch die Wucht des Aufpralls wurde ich (3800kg!!!) von der Strasse geschleudert und kam am Strassenrand (auf Sandboden, wo normalerweise viele Leute zu Fuss unterwegs sind) zum Stehen. Als Berno & Tanja ausgestiegen waren sahen sie zuerst den in der Front komplett eingedrückten Hilux (kleine Randbemerkung: auf dem Rücksitz des Hilux sass eine Frau mit einem 1-jährigen Baby auf dem Schoss!!!) auf der Strasse stehen (Totalschaden) und danach mein demoliertes Heck: Hecktüre eingedrückt, Heckscheibe zerbrochen, Ersatzradhalterung verbogen, Einstiegstreppe abgerissen, Trash Bag (an Reserverad befestigt) zerplatzt und….ach Schreck…auslaufendes Diesel aus dem zuvor aufgefüllten Reservetank…
Schaden des Verursachers:
Teile meines Schadens:
Sofort war das ganze Dorf (gross und klein, alt und jung) um unser Auto versammelt und nach ein paar lauten Flüchen von Berno und Tanja gerieten die Beiden in «Krisenmodus»….Die Einstiegstreppe hatte durch den massiven Aufprall ein Loch in den 160L grossen Dieseltank gebohrt, wodurch nun das Diesel einfach auf den Sandboden ausfloss. Lauten Rufen von Berno nach Eimern, um wenigstens nicht eine komplette Umweltkatastrophe zu verursachen, wurde gefolgt und schon bald wurden Eimer um Eimer der Einwohner mit Diesel gefüllt. Mindestens 120-140L Diesel wurden so an die Bewohner des kleinen Örtchens ‚gespendet‘.
Nach einer kurzen Beratung entschlossen sich Berno und Tanja 1. zurück nach Chipata zu fahren, denn an eine Weiterfahrt war nicht zu denken und 2. NICHT auf die Polizei zu warten und auch die Versicherung aus dem Spiel zu lassen (zum Glück, dazu später mehr). Sie informierten sich, wo in Chipata die Chance am grössten wäre, dass jemand uns helfen könnte und landeten so bei der ‚Goolph‘-Toyota Werkstatt, nachdem sie zunächst ein Hotel für 2 Nächte gebucht hatten.
Bei ‚Goolph‘ angekommen wurde der Schaden begutachtet und schnell war klar, dass es umfangreiche Spenglerarbeiten und Improvisationstalent benötigen würde, was die Garage selber aber nicht anbieten konnte. Der Nachbar aber - Joseph Khetri von Keshu Body Clinic - wurde dazu geholt: eine echte ‚Hinterhofwerkstatt‘ gleich neben dem Toyota Gelände und Josephs erste Aussage war: ‚yes I can fix this but we should stop talking and start working!‘
Um 1330 waren wir bei Joseph und schnell war der Plan fix: Hecktüre ausbauen, ausbeulen und neue Scheibe organisieren / Rucksack zur Näherin bringen und flicken lassen / Stossstange abmontieren / Einstiegstreppe zurechtbiegen und neu verschweissen / Reserveradhalterung zurechtbiegen / Dieseltank ausbauen, verschweissen und wieder einbauen und dann schlussendlich alles wieder zusammenbauen.
Tatsächlich kam Joseph nach zwei Stunden mit einer neuen (Plexiglas) Scheibe zurück, die Hecktüre war bereits ausgebeult (Arbeit am Boden auf einem Pneu) aber der Ausbau des Tanks erwies sich als ziemlich schwierig (die Tagelöhner von Joseph hatten einen solchen Ersatztank vermutlich noch gar nie gesehen). Irgendwann war das dann aber auch geschafft (nachdem nochmals 40L Diesel in Kanistern aufgefangen worden waren), als dann gegen 1600 Uhr Joseph höchstpersönlich das Loch im Tank, sitzend auf einem Backstein, zugeschweisst hatte.
Bei Einbruch der Dämmerung (rund 1700h) war dann tatsächlich alles zum Einbau bereit, wobei sich der Tank auch wieder als widerspenstig erwies. Es wurde relativ schnell dunkel und Tanja und Berno holten Stirn- und Taschenlampen aus meinem Inneren, verteilten die an die Mechaniker und weiter ging die Arbeit. Wir glaubten so gegen 1800 Uhr nicht mehr an die Fertigstellung, aber Joseph erklärte, dass sie die Arbeit fertig machen würden und tatsächlich, im Stockdunkeln, um 1915 Uhr, war alles repariert und wieder eingebaut: meine Hecktüre mit neuem Fenster montiert, der Tank repariert, die Stossstange und die Ersatzradhalterung gerichtet, die Treppe neu verschweisst und sogar der reparierte Rucksack war auch wieder da!
THIS IS AFRICA!
Alles am Boden auf einer Wiese, mit einfachsten Werkzeugen und alten Reifen als Unterlagen, mit Stromunterbrüchen, aber es hat funktioniert. Unglaublich, in Europa undenkbar und sicherlich nicht am selben Tag bis weit nach Feierabend! Ich bedanke mich bei ‚Goolph‘ und Joseph für die fantastische Hilfe, ohne sie wären wir verloren gewesen. Jetzt bin ich wieder fahrbereit (zwar mit ein paar Dellen in der Hecktüre und einer schrägen Reserveradhalterung), Berno & Tanja brauchen aber noch etwas Ruhe, bevor es dann weiter geht. Ich melde mich wieder!
Ach ja: in der Werkstatt erzählte man uns dann, dass wenn die Polizei und Versicherungsgesellschaft ins Spiel gekommen wären, dass wir bis zur kompletten Regulierung des Versicherungsfalles in Chipata hätten bleiben müssen (wegen Gutachten, Rapporten etc). Das hätte mehrere Wochen-Monate dauern können…
So wie gestern hat uns die ganze Reparatur 300USD (!!!)gekostet, was sogar noch verhandelbar gewesen wäre (plus grosses Trinkgeld) und war alles am gleichen Tag erledigt! (Randbemerkung: das Fahrzeug des Unfallverursachers hat sicherlich Totalschaden erlitten, somit also mindestens CHF 20'000 futsch)
Viel Glück im Unglück! Tanja, unsere «zuviel-Denkerin» hat seither ein paar Mal überlegt, was alles hätte passieren können… (Aufprall gegen Lastwagen, Leute auf Sandweg, Kollision ausserhalb Ortschaft mit Graben auf der Seite etc etc etc)
Aber: Falls es "da oben" jemanden gibt, der unser Leben überwacht, führt und begleitet: er/sie hat noch nicht genug von unseren Afrika-Abenteuern zu dritt... in diesem Sinne: die Reise geht weiter!
Ah, Schlussfazit von meiner Seite: ein starker, kräftiger Hintern (in meinem Fall meine Heckstossstange) hält so manches aus / ohne die wäre ich vermutlich auf die halbe Grösse zusammengepresst worden.



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