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Eine Fähre, ein Fluss und zwei Menschen, die aus Fehlern anscheinend nicht lernen – und dafür bezahlen müssen

  • betaullings
  • vor 22 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Vor rund 3 Wochen waren wir bereits im Boteti River Camp. Damals war der Boteti Fluss noch nicht in Khumaga, so heisst die kleine Ortschaft, angekommen. Wir konnten das trockene Flussbett problemlos durchfahren (der Fluss wird aus Regenwasser aus dem Okavangodelta gespiesen und fliesst langsam gegen Süden, je nach Regenmenge wird Khumaga jedoch gar nie erreicht). 2 Tage nach unserer damaligen Abreise hörten wir, dass der Boteti in Khumaga angekommen ist und somit die Durchfahrt nur noch mit der Fähre möglich ist.





Berno freute sich sehr auf die Überfahrt mit der Fähre, weil wir dies noch nie erlebt haben. Fähre ist ein bisschen viel gesagt: es ist ein schwimmendes Metallgestell mit Auf- und Abfahrrampe. Quer über den Fluss ist ein Seil gespannt, an welchem die Fährmänner die Fähre von Hand hin- und herziehen. Damit die Fähre jedoch nicht am Uferrand aufläuft, kann sie sich nur im tiefsten Teil des Flusses bewegen. Den Rest, sprich Anfahrt zur Fähre und Abfahrt von der Fähre erfolgt im Fluss… Das ist ja gar kein Problem für mich, denn ich als Toyota Landcruiser bin hier in Afrika das beste Fahrzeug…


Wie immer am Morgen ist Tanja zuerst am Steuer, da Berno zuerst noch wacher werden muss. Nach dem Bezahlen der Fährgebühr (Pula 100 pro Weg, rund CHF 7.50) wurden Tanja und Berno instruiert, im 4x4 Lowgear auf die Fähre zu fahren. Die Grundnervosität war bereits vorhanden, denn es sah schon sehr abenteuerlich aus. 4x4 war drin, Lowgear ebenfalls – also los. Auffahrt auf die Fähre erfolgte problemlos. Kaum oben zogen die beiden Fährmänner am befestigten Seil die Fähre in die Mitte des Flusses. Mittendrin mussten wir auf der Fähre ein wenig zurückfahren, damit sich das Gewicht anders auf der Fähre verlagerte. Nach weiterem Ziehen am Seil hatten wir die Stelle erreicht, wo wir bereits wieder von der Fähre durchs Wasser fahren mussten.


Die Abfahrt ab der Fähre erfolgte problemlos, die ersten Meter im Boteti ebenfalls. Dann aber verlangsamte ich und irgendwie kam ich einfach nicht mehr weiter. Tanja trat aufs Gaspedal, aber wir blieben stecken. Wir versuchten nochmals rückwärts zu setzen, aber kein Erfolg. Ich konnte weder vorwärts noch rückwärts fahren. In solchen Situationen ist die goldene Regel: NIE den Motor abschalten, denn dann würde Wasser über den Auspuff ins Innere des Motors gelangen.


OK, wir standen im Wasser, ca reifentief, Motor war zum Glück nicht abgewürgt worden. Die Versuche, vorwärts oder rückwärts zu setzen, blieben erfolglos. Die Fährmänner holten mittlerweile Gitterroste, um unter meine Reifen zu legen. Auch damit waren wir nicht erfolgreich, auch nicht mit all unseren Sandblechen zusammen. Meine Reifen konnten einfach keinen festen Grund finden. Mittlerweise kamen 2 weitere Fährangestellte hinzu und zu viert konnten sie jedoch auch nicht helfen. Einer der Fährmänner kümmerte sich rührend um die sichtlich angespannte Tanja und sprach ihr guten Mut zu, unterstützte sie und versprach ihr, dass wir alle heil ans andere Ufer kommen würden.


Tanja war zu diesem Zeitpunkt noch ruhig, aber sehr angespannt und Berno überlegte, was wohl das Problem war, so dass ich, der wirklich starke Offroader, diese schmale Flusspassage nicht passieren konnte und dann plötzlich sein Ausruf:


«Wie blöd können wir beide (Tanja/Berno) denn auch sein? Wir haben vergessen, die Radnaben zu schliessen! So nützen natürlich weder 4x4 noch Lowgear!»


(Wichtige Information: wenn man bei mir von 2x4 auf 4x4 wechselt, müssen an der Vorderachse die Radnaben geschlossen werden, damit die Achse direkt mit dem Getriebe verbunden ist. Wird dies nicht gemacht, fahre ich nicht im 4x4 auch wenn dies angezeigt wird. Zusatzinformation: dies haben Tanja und Berno schon x-fach vergessen, wobei es in der Vergangenheit keine Probleme gab)


Gut, Fehler erkannt, Radnaben geschlossen (Anmerkung: Berno als Beifahrer ist aus dem Fenster gestiegen, damit er die Türe nicht öffnen musste, wobei noch mehr Wasser eingetreten wäre). Aber dennoch keine Bewegung in den Rädern, da sich mein hinterer rechte Reifen bereits recht stark in den Sand/Schlamm eingebuddelt hatte. Auch unter Zuhilfenahme eines sehr starken Safarifahrzeuges, welches uns aus dem Fluss hätte ziehen sollen, schafften wir es nicht. Mittlerweile stand das Wasser im Fussraum Seite Beifahrer rund 20cm hoch…



Nächster Versuch und Vorschlag der Fährmänner: bevor wir wieder probieren, uns mittels Abschleppseil herauszuziehen sollte mein rechter hinterer Reifen mit einem Sandblech unterlegt werden (richtig unterlegt, nicht nur davor gelegt). Dies war nur unter Zuhilfenahme des High Lift Jacks möglich, der mich hinten rechts sehr hoch «aufgebockt» hatte. Mit Mühe konnten die Fährmänner Sandbleche direkt unter meinen Reifen legen.



Nächster Versuch: Sandblech hinten rechts unterlegt, Abschleppseil immer noch mit «Rettungsfahrzeug» verbunden. Rettungsfahrzeug gibt Vollgas, Seil spannt sich, ich fühle plötzlich «festen Grund hinten rechts» und schwupps wurde ich aus dem Wasser katapultiert und fuhr plötzlich auf das rettende Ufer zu, bis ich auf trockenem Sandboden zu stehen kam.


Dies waren unsere Heroes:


Bei Tanja, bis dahin immer noch Ruhe bewahrend, aber merklich angespannt, fiel von einer Sekunde auf die andere die Anspannung ab und es liefen ihr nur noch die Tränen der Erleichterung über die Wangen.


Fazit: Tanja und Berno haben zum xten Mal denselben Fehler gemacht und vergessen, die Radnaben zu schliessen, wenn sie von 2x4 auf 4x4 wechselten. Nach 1.5 Stunden schwerster Arbeit der 4 Fährmänner (und Berno) wurden wir aus unserer misslichen Lage befreit. Die Rückfahrt mit der Fähre verlief problemlos, weil meine Naben immer noch geschlossen waren...


Für Tanja und Berno definitiv eine "situation out of the comfort zone", wollen sie so bald nicht wieder erleben (ich auch nicht, denn ich mag meine Füsse/Reifen nicht im Schlamm....


Beim Rückweg klappte es dann super….




 

 

 

 

 

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